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Aswan - Kom Ombo, Februar 2010

Segeln V - Test der Götter

Ägyptens besondere Orte

„Segeln wie die Götter auf dem Nil.“ So sagt man. Und die Götter haben Bedienungsanleitungen für das windgetriebene Fortkommen herausgegeben. Man nennt sie Reiseführer und sie sagen, wie alles ein göttliches Vergnügen wird. Ein Boot sollte man aussuchen und auf Herz und Nieren prüfen. Mit dem Kapitän sollte man sprechen, ihn kennen lernen. Die Bedingungen sollte man möglichst genau festlegen, nach ausreichend Decken fragen, den Kapitän beim Einkauf begleiten, keine oder höchstens 50 Prozent Vorauszahlung leisten – und noch so vieles mehr.

Wir taten nichts davon. Den Kapitän kannten wir nicht. Das Boot auch nicht. Bei Decken fragten wir nur das Hotel, ebenso beim genauen Ablauf. Und wir bezahlten im Voraus - 100 Prozent. Immerhin kannten wir vorher unsere Gruppe - ein paar Minuten. Aber die hatte es in sich: ein Grieche und eine Japanerin, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Acht Amerikanerinnen und Amerikaner. Hippies, Rednecks, Abenteurer. Reiseerfahren, zusammen über 80 Länder bereist, Individualisten vom Feinsten. Mit dem Rucksack durch Afrika? Kein Problem! Vietnam, Kambodscha, Indien, Laos, Haiti. Alles gemeistert. Freundlich, schlagfertig, cool - und etwas abgedreht. Und ein Deutscher, der die Welt zwar nicht kennt, aber das Land am Nil wie seine Westentasche - fast. Er kennt jede Fähre, jedes Dorf, jeden alten Stein - fast.

Dann der Test der Götter: Probleme! Wir sollen wählen, „Kom Ombo oder Gebel Silsila?“ Beide antiken Stätten haben wir als Bestandteil des Segel-Törns gebucht, aber beides geht nicht. Sagt die Crew und sie hat ihre Gründe. „Falsch!“, stellt der Deutsche fest, „es gibt eine Fähre in Faris, mit der wir nach dem Ende der Bootsfahrt übersetzen können.“ „Achso“, bemerkt die Crew und findet doch einen anderen Grund. „Auch falsch.“ Da hat sich die Crew mit der falschen Gruppe angelegt! Die Amis machen Druck, wir bleiben standhaft - und gelassen. Eine Mitreisende greift zum Telefon, ruft beim Hotel an. Geistesgegenwärtig. Und macht Druck. Hotel - Kapitän. Kapitän - Hotel. Diskussion, wir lehnen ab. Kapitän - Hotel. Wir - Hotel. Hotel - Kapitän. Kapitän - Mannschaft. Wir intern. Kapitän - Taxifahrer, Hotel - wir. Hotel - Kapitän. Wir telefonieren und diskutieren kreuz und quer. Dann sollen wir extra bezahlen, damit wir Kom Ombo und Gebel Silsila sehen. „Pustekuchen“, „no way!“ Stunden vergehen, Unklarheit. Wir bleiben locker und unnachgiebig. Telefonate. Irgendwann: Stimmung gereizt. Wir gewinnen. Kom Ombo und Gebel Silsila, so wird es sein.

Test bestanden, alles wird gut. Tour super. Am Abend vorher hatten wir schon dieses Nilkreuzfahrtschiff zum Ausweichmanöver gezwungen, als wir seinen Kapitän mit Taschenlampen auf unsere im Dunklen treibende Felukka aufmerksam machten. „Unbedingt wach und wachsam bleiben“, hatten die Reiseführer bei leichtsinnigen Fahrten im Dunkeln gewarnt, „die Besatzung mag den Weg des Bootes dem Schicksal anvertrauen.“ Auch unsere Crew zog es vor, das Essen vorzubereiten, zu rauchen oder anderweitig abgelenkt zu sein – während unzählige, motorbetriebene Tonnen Stahl auf das kleine Segelboot zusteuerten. Der Rat der Götter, man sollte ihm lieber folgen...

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Badepause am Nilufer bei Daraw.

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