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Kairo, August 2014

Wie die Tiere

Ägyptischer Alltag

Khaled steuert sei Taxi gekonnt durch den Verkehr. Der Mann mittleren Alters mit dem gepflegten Vollbart ist äußerst höflich, drückt sich gewählt aus. Beim Smalltalk kommt sehr bald das Thema „Frauen und heiraten“ auf. Es ist ein ägyptisches Lieblingsthema, die Hochzeit ist hier ein sehr bedeutendes Ereignis. Ob ich verheiratet sei, möchte der Mann wissen. Ich verneine und ergänze schnell, hoffentlich sei es bald soweit. Bloß keine Fragen aufkommen lassen, sonst folgt die unausweichliche Grundsatzdiskussion über die Notwendigkeit einer Hochzeit und die merkwürdigen Sitten in Europa, wo Mann und Frau auch ohne Trauschein in den gleichen vier Wänden zusammen leben können. „Und hast Du Sex vor der Ehe?“ Man stelle sich eine solche Frage einmal in einem deutschen Taxi vor, undenkbar – hier scheint nichts dabei. Mein „hm“ interpretiert Khaled zutreffend und mit missbilligendem Blick: „Huweinat“, sagt er, „Tiere.“ Ich ahne, in welche Richtung es jetzt geht und gebe zum Besten, dass die Gebräuche hier und in Europa eben unterschiedlich seien. Aber es hilft nichts mehr. „Hunde und Katzen zum Beispiel, die tun es immer“, erklärt der Fahrer, „die brauchen nicht heiraten. Miau, wuff. Sie haben immer und überall Sex. Aber der Mensch, der ich das Höchste. Er ist die Krone der Schöpfung. Wir haben Verstand. Wir heiraten, das unterscheidet uns vom Tier.“ Sehr viel direkter kann er seine Verachtung des Fahrgastes nicht ausdrücken. Der Smalltalk endet damit recht abrupt. Die nächsten 40 Minuten Fahrzeit herrscht eisiges Schweigen im Taxi. Beim Aussteigen fällt mein Blick auf zwei Hunde am Straßenrand. Sie tun, was unverheiratete Hunde eben tun. Der Fahrer fährt davon.

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Straßenhunde in Nasr City, Kairo.

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